Wann sollten Sie die Elektroanlage in Ihrem Altbau erneuern?

In vielen Altbauten entspricht die Elektroinstallation schon lange nicht mehr heutigen Standards. Treten Warnsignale wie häufig rausfliegende Sicherungen oder beschädigte Kabel auf, besteht Handlungsbedarf. Bei älteren Elektroinstallationen empfiehlt sich eine fachkundige Überprüfung. In diesem Artikel erfahren Sie, woran Sie eine veraltete Installation erkennen, welche Gefahren drohen und wie eine Sanierung abläuft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Typische Warnsignale sind häufig auslösende Sicherungen, veraltete Schmelzsicherungen und sichtbare Schäden an Kabeln.
  • Alte Elektroinstallationen ohne Schutzleitersystem oder mit brüchiger Isolierung können Brände und lebensgefährliche Stromschläge verursachen.
  • Je nach Zustand der Anlage kommt eine punktuelle Nachrüstung, eine Teilsanierung oder eine vollständige Neuinstallation infrage.
  • Für die Erneuerung der Elektroanlage können unter bestimmten Voraussetzungen Fördermittel oder steuerliche Vorteile in Anspruch genommen werden.

Diese Warnsignale zeigen, dass Ihre Elektrik in die Jahre gekommen ist

Veraltete Elektroinstallationen machen sich nicht immer sofort bemerkbar. Häufig schleichen sich die Probleme über Jahre ein, bis ein konkretes Ereignis die Situation sichtbar macht. Folgende Anzeichen deuten auf eine überholungsbedürftige Anlage hin:

  • Sicherungen oder Leitungsschutzschalter lösen wiederholt ohne erkennbaren Grund aus.
  • Im Sicherungskasten befinden sich noch alte Schmelzsicherungen statt moderner Leitungsschutzschalter.
  • Ein FI-Schutzschalter (Fehlerstromschutzschalter) ist nicht vorhanden.
  • Steckdosen oder Lichtschalter weisen Verfärbungen oder Risse auf.
  • Im Haus fehlen geerdete Schukosteckdosen, es sind noch zweipolige Steckdosen verbaut.
  • Die Leitungen haben eine brüchige, verfärbte Isolierung.
  • Es gibt nur wenige Steckdosen je Raum, sodass dauerhaft Verlängerungskabel genutzt werden müssen.

Besonders in Gebäuden, die vor 1980 errichtet wurden und seit dem Bau keine Elektromodernisierung erhalten haben, lohnt sich eine fachkundige Prüfung der gesamten Installation.


Warum eine alte Elektroanlage zum echten Sicherheitsrisiko wird

Beschädigte oder brüchige Isolierungen können Fehlerströme, Kurzschlüsse oder Lichtbogenereignisse begünstigen und dadurch die Brandgefahr erhöhen. Überlastete Stromkreise, die ursprünglich nur für wenige Verbraucher ausgelegt wurden, geraten durch heutige Haushaltsgeräte, Wallboxen oder Wärmepumpen schnell an ihre Grenzen. Hinzu kommt, dass ältere Anlagen häufig keinen durchgehenden Schutzleiter besitzen, was bei einem Fehler zu lebensgefährlichen Berührungsspannungen führen kann.

Was ist ein FI-Schutzschalter?

Ein FI-Schutzschalter (Fehlerstromschutzschalter, kurz RCD) erkennt Fehlerströme, die beispielsweise über einen Menschen zur Erde fließen können, und unterbricht den betroffenen Stromkreis sehr schnell. Ein RCD mit einem Bemessungsdifferenzstrom von 30 mA dient insbesondere dem zusätzlichen Schutz gegen elektrischen Schlag.


Teilsanierung oder Kompletterneuerung: Welche Lösung passt zu Ihrem Altbau?

Welche Maßnahme für Ihre Immobilie die richtige ist, hängt vor allem vom Baujahr, dem Zustand der Leitungen und Ihrem zukünftigen Energiebedarf ab. Die folgende Tabelle zeigt Ihnen auf einen Blick, wie Sie den Zustand Ihrer Anlage richtig einschätzen und welche Schritte zu empfehlen sind.

Zustand der AnlageTypische MängelEmpfohlene Maßnahme
Gut, vereinzelte MängelFehlender FI-Schutzschalter, einzelne defekte SteckdosenPunktuelle Nachrüstung
Teilweise veraltetGemischte Leitungstypen, veralteter ZählerplatzTeilsanierung
Stark veraltetSchmelzsicherungen, kein Schutzleiter, AluleitungenKomplette Neuinstallation

Überblick: Maßnahmenempfehlung nach Anlagenzustand im Altbau

Neben dem reinen Anlagenzustand spielen weitere Faktoren eine wichtige Rolle: Wenn Sie planen, eine Photovoltaikanlage, eine Wärmepumpe oder eine Wallbox zu installieren, steigen die Anforderungen an Ihre Elektroinstallation erheblich. In solchen Fällen lohnt es sich, eine Teilsanierung von vornherein zur Kompletterneuerung auszubauen, um spätere Doppelarbeiten zu vermeiden.


So läuft die Erneuerung ab und das sollten Sie einplanen

Eine Elektrosanierung beginnt immer mit einer Bestandsaufnahme durch einen Fachbetrieb. Dabei werden unter anderem der Zustand der Installation, die vorhandenen Schutzmaßnahmen, die Belastbarkeit und mögliche sicherheitsrelevante Mängel geprüft. Anschließend folgen die Planung der neuen Anlage, die Ausführung der Elektroarbeiten und die normgerechte Abnahme mit Dokumentation. Damit die Sanierung reibungslos läuft, sollten Sie folgende Punkte vorab klären:

  • Aktuellen Grundriss des Gebäudes bereitstellen, damit Leitungswege optimal geplant werden können
  • Standort und Kapazität des Zählerplatzes sowie des Sicherungskastens prüfen lassen
  • Geplante Neuanschaffungen wie Wallbox, Wärmepumpe oder Smart-Home-System frühzeitig kommunizieren
  • Festlegen, welche Räume vorrangig saniert werden sollen, falls eine Lösung in Etappen gewünscht ist
  • Klären, ob und in welchem Umfang Wände geöffnet werden müssen
  • Maler- oder Trockenbauarbeiten zusätzlich einplanen

FAQ

Wie erkenne ich, ob meine Sicherungen noch den aktuellen Normen entsprechen?

Sicherungen entsprechen nicht mehr den aktuellen Normen, wenn es sich um alte Schmelzsicherungen handelt, kein FI-Schutzschalter vorhanden ist oder die Anlage keinen Schutzleiter besitzt. Ein Elektrofachbetrieb kann die Anlage fachgerecht überprüfen und dabei unter anderem die Anforderungen der DIN-VDE-0100-Normenreihe berücksichtigen. 

Muss ich bei einer Elektrosanierung die Wände komplett öffnen?

Nicht zwingend. In vielen Fällen lassen sich neue Leitungen durch bestehende Kabelkanäle oder Hohlräume verlegen. Ob und wo Wände geöffnet werden müssen, zeigt die Bestandsaufnahme. Bei einer kompletten Neuinstallation ist in der Regel ein größerer Eingriff in die Bausubstanz notwendig.

Wie lange dauert die Erneuerung einer Elektroanlage im Einfamilienhaus?

Eine vollständige Erneuerung im Einfamilienhaus dauert je nach Umfang mehrere Werktage. Teilsanierungen oder punktuelle Nachrüstungen können oft innerhalb von ein bis zwei Tagen abgeschlossen werden.

Gibt es Fördermittel für die Modernisierung alter Elektroinstallationen?

Eine eigenständige Bundesförderung für die reine Erneuerung einer Elektroinstallation gibt es nicht. Elektroarbeiten können jedoch unter bestimmten Voraussetzungen Bestandteil einer geförderten energetischen Maßnahme sein. Welche Kosten förderfähig sind, hängt vom jeweiligen Förderprogramm und vom konkreten Vorhaben ab.

Kann ich während der Sanierung in meinem Haus wohnen bleiben?

In vielen Fällen ja, besonders bei Teilsanierungen. Bei einer Kompletterneuerung wird der Strom abschnittsweise abgestellt. Der Fachbetrieb stimmt die Abschnitte so ab, dass Küche, Bad und Schlafbereich möglichst lange nutzbar bleiben. Im Einzelfall kann eine kurzzeitige Unterkunft außerhalb der eigenen vier Wände sinnvoll sein.


Fazit: Ihre nächsten Schritte für eine sichere Elektroinstallation im Altbau

  • Prüfen Sie Ihre Elektroanlage auf die genannten Warnsignale und lassen Sie Unklarheiten fachkundig beurteilen.
  • Planen Sie eine Erneuerung, wenn die Anlage Mängel aufweist.
  • Kommunizieren Sie geplante Neuinstallationen wie Wallbox oder Wärmepumpe von Anfang an, damit die Anlage zukunftssicher ausgelegt wird.
  • Klären Sie Fördermöglichkeiten im Kontext Ihrer Gesamtsanierung, bevor die Arbeiten beginnen.

Als Elektriker in Schönaich unterstützen wir von Florotec Sie von der ersten Bestandsaufnahme bis zur abnahmereifen Fertigstellung. Sprechen Sie uns an, wir beraten Sie gern direkt vor Ort und zeigen Ihnen, welche Lösung zu Ihrem Altbau passt.